VeRa – 019 Geflüchtete Menschen berichten

Gute zwei Wochen nach dem Weltflüchtlingstag hat sich die Redaktion von Vera in einer zweiten Sendung mit dem Thema Flucht beschäftigt. In einer abwechslungsreichen Sendung hört ihr zwei der Syrischen Monologe, die in einem Theaterprojekt mit Geflüchteten in Jordanien entstanden sind.
Diese bewegenden Kriegs- Fluchtgeschichten werden durch persönliche Erfahrungen der Redakteurinnen und Studiogäste ergänzt. Außerdem gibt es einen persönlichen Beitrag, der ein Bild Afghanistans jenseits der täglichen Schreckensnachrichten zeigt.

Sendungsnotizen zum Nachlesen:

00:05:00 Syrische Monologe incl. Einführung

zur Verfügung gestellt von Katja Klemt.

00:12:08 Anmerkungen von Asmaa und Mohamed aus Syrien
00:12:08 Anmerkungen von Asmaa und Mohamed aus Syrien

00:14:25 Syrische Monologe - Maha Al Masry – aus Homs

Wir gehen unsicher durch unser Leben, obwohl unser Weg uns immer voran führt
Immer vorwärtsgehen trotz des dunklen Dschungels in dem wir leben. Ich fliehe mit meinen Kindern wegen dieser erschreckenden Umstände. Nicht wissend, wo wir hingehen sollen und wie das Ziel heißt, dass wir erreichen werden. Ich bin so schockiert, habe meine Leichtigkeit verloren. Ich habe kein Glück ich fühle mich schrecklich einsam, weiß
nicht nach wem ich mich sehnen soll ,weiß nicht, wie lange diese Einsamkeit andauern wird.

Ich wünsche mir mein Land zurück und mein gewohntes Leben. Meine Erinnerungen verblassen mit Ausnahme der Stimmen von den Menschen, die ich liebte. Die sind wie schöne Melodien – die Stimme meiner Schwester und ihrer Kinder, dass Gebet in den Moscheen, das Land, in dem ich die schönsten Tage meines Lebens verbrachte. All diese Erinnerungen, all
diese Vergangenheit hat sich in Asche verwandelt und unser Haus wurde schwarz vom tagelangen Brennen.

Wir wurden belagert. Etwa 50 Personen hatten sich in unser Haus geflüchtet. Es war das sicherste dieser Gegend, so dachten wir. Allerdings fielen bald Brandbomben und Fassbomben wie Hagel auf das Haus. Aber wir lachten und unser Lachen war lauter und stärker als die Geräusche des Beschusses. Wir wurden ganz hysterisch in unserer erbärmlichen Situation.

Wir bereiteten das Abendessen für alle und alle setzten sich hin, jeder begann etwas zu sagen:
* ich will nicht hungrig sterben
* ich will noch essen, bevor ich sterbe
* wer von uns wird zuerst sterben?
* ich möchte nicht durch ein brennendes Fass sterben
* wenn ich sterben muss, möchte ich voll mit gutem Essen sein!
* ich will nur bei Licht sterben.
* Vielleicht ist dies das letzte Mal dass wir zusammen essen

Unsere Unterhaltung begann ernster zu werden wir mussten rauskommen aus dem unsicheren Schutz des Hauses. Es gab kaum einen Ausweg weil die Bombardierung draußen nicht enden wollte. Das Haus wurde von einem flammenden Fass getroffen und fing augenblicklich an zu brennen. Wir schlugen ein Loch in die Wand um heraus zu kommen und einer nach dem anderen stieg hindurch. Es war aber zu eng und viele blieben darin stecken. Da fingen wir wieder an hysterisch zu lachen.

Draußen begann wir zu laufen, Kinder, Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde. Der Lärm umgab uns und füllte die Luft mit Tränen . Es regnete stark und es war sehr windig.. Wir liefen so schnell wie wir konnten, rutschten aber im Schlamm aus, blieben fast stecken. Weder die Natur noch die Menschen verschonten uns. Kugeln und Querschläger schwirrten über unsere Köpfe hinweg und wir wussten nicht wohin, oder wie wir uns und die Kinder schützen sollten.

Wir liefen über 3 Stunden ohne Nahrung oder Wasser. Wir konnten ja nichts mitnehmen aus unserem Haus, weil alles völlig verbrannt war. Ich versuche Leute anzuhalten und zu fragen, ob sie einen Schluck Wasser oder etwas zu essen für meine Kinder abgeben könnten. Aber alles war umsonst. Meine einjährige Tochter hatte ich auf dem Arm. Die beiden
anderen Töchter klammerten sich an mein Kleid. Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte um sie zu schützen und schrie um Hilfe. Mein Cousin lief neben mir und trug seine behinderte Tochter und versuchte den um ihn einschlagenden Kugeln eines Scharfschützen zu entkommen. Um uns herum waren Kinder, die ihre Eltern verloren hatten. Mit Tränen in ihren frischen Augen fragten sie jede Frau, die sie sahen ob sie ihrer Mutter gesehen hätte.

Es gab keinen Strom, kein Wasser keine Nahrung und es war stockfinster. Wir hatten das Gefühl in einem riesigen Strudel zu stecken, konnten uns gegenseitig nicht erkennen, und Gott war unser einziger Beschützer und die Bäume waren unsere Zuflucht. Wir gingen auf dieser Straße weiter, so lange bis wir die jordanische Grenze erreicht hatten. Als wir dort waren, öffnete ich meine Reisetasche um meiner Tochter neue Kleidung zu geben. Es war kurios denn ich stellte fest, dass ich die ganze Zeit die Tasche einer dicken alten Dame getragen hatte, die bei uns im Tierheim
bisweilen zu arbeiten pflegte. Ich weinte plötzlich und lachte dann, alles zu gleicher Zeit.

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Afghanistan. Der Name dieses Landes ist vielen von uns ein Begriff, hinter dem sich eine Menge von Bildern befindet.
Bilder meist ausschließlich durch die Medien geprägt. Nie mit eigenen Augen gesehen.
Der folgende Beitrag ist ein Zusammenschnitt aus Antworten, die in einem Interview über Afghanistan entstanden.
Unter dem Titel: “Erzähl mir von Afghanistan!” …

00:23:37 Teil 2 des Interview mit einem Kinderstreich

Im Laufe des Interviews wurde auch ein schöner traditioneller Streich erwähnt. Welchen Kinder in Afghanistan ihren Nachbarn zum ersten Schneefall spielen. …

00:25:13 Hörspiel

Hörspiel von Schüler*innen der 7. Klasse aus der Montessorischule Greifswald

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