VeRa 026 Frieden und Krieg

In dieser Woche beschäftigte sich VeRa weiter mit Krieg und Frieden.
Themen waren die anhaltenden Auseinandersetzungen in Afghanistan sowie Täter, Opfer, Helden und derer Gedenken am Volkstrauertag. Außerdem schauten wir uns an, welche Erfolge Friedensbewegungen bisher erzielen konnten, gaben Euch Hinweise zur waffenfreien Geldanlage und versuchen zu ergründen warum einige Staaten die Mitarbeit am Internationalen Gerichtshof nicht weiter unterstützen.

Sendungsnotizen zum Nachlesen:

Die Friedensbewegung

Der heutige Begriff FRIEDENSBEWEGUNG ist eine Sammelbezeichnung für eine Vielfalt an Organisationen und Initiativen, deren Mitglieder aus ethischen, religiösen oder politischen Gründen für die Abrüstung und ein friedliches Zusammenleben der Völker eintreten und auf die Gefahren militärischer Nutzung der Kernkraft aufmerksam machen.
Mit öffentlichen Aktionen soll die Regierung zum Handeln veranlasst werden.
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Die Anfänge der europäischen FRIEDENSBEWEGUNG lassen sich schon im Mittelalter finden.
Der sogenannte Gottesfrieden und die Waffenruhe Gottes.
Ein Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen weltlicher und geistlicher Macht, um die Privatkriege des Adels und die Angriffe auf das Kirchengut zu unterbinden. Mitte des 16.Jahrhunderts (ca 1650) und getragen vom christlichen Gedankengut und den humanitären Ideen der Aufklärung, entwickelten sich die „historischen Friedenskirchen“. Religiöse Gruppen wie die Mennoniten, die Quäker und die CHURCH OF BRETHREN nahmen im Rahmen dieser, eine Haltung unbedingter Friedensbereitschaft und die Ablehnung des Kriegsdienstes ein. Zu Beginn des 19.Jahrhunderts gründeten dann die Quäker in Amerika und Großbritannien die „Peace Societies“ – Friedensgesellschaften.
1889 begründete die österreichische Friedensaktivistin Bertha von Suttner, mit ihrer programmatischen Schrift „Die Waffen nieder!“ die bürgerlich liberale Bewegung des Pazifismus. Der Roman gilt noch heute als einer der wichtigsten der Antikriegsliteratur. Der Pazifismus entwickelte mit der Organisation von Friedensgesellschaften, die 1891 in einem internationalen Friedensbüro zusammengeschlossen wurden und der Veranstaltung von Kongressen, Pazifismus starke Aktivitäten.
Im Vorfeld des 1. Weltkrieges bemühte sich der französische Sozialist Jean Jaurés um die Beilegung der Spannungen in Europa. Bei Friedensdemonstrationen setzte er sich gegen den drohenden Krieg ein und trat im Parlament für eine politische Verständigung mit Deutschland ein. Wichtige Vertreter der deutschen Friedensbewegung waren nach dem 1. Weltkrieg unter anderem Kurt Tucholsky, Clara Zetkin und Rosa Luxemburg. Auch die Frauenbewegung ging eng mit der Friedensbewegung einher. In der ersten Hälfte der 50er Jahre kam es zur Remilitarisierung durch die Aufstellung der Bundeswehr.
Es folgte eine breite Protestbewegung. Auch durch die Bedrohung durch Atomwaffen, bestärkt durch die Folgen der Atomabwürfe über Hiroshima und Nagasaki, gewann die Friedensbewegung an Bedeutung. Die Ostermarschbewegung begann.
In den 60er Jahren entstand eine breit aufgestellte Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg und die 1968 beschlossenen Notstandsgesetze. Starke gesellschaftliche Veränderungen waren die Folge. In der Bundesrepublik kam es 1980 zu einer NEUEN Friedensbewegung – gegen Blockkonfrontation und Stationierungspläne für Waffen. Es wurde die größte Massenbewegung der Bundesrepublik. In der DDR wirkten Mitte der 80er Jahre viele Gruppen unter dem Leitspruch „Schwerter zu Pflugscharen“.
Sie waren Bestandteil der Oppositionsbewegung, die den späteren gesellschaftlichen und politischen Umbruch (1989/90) einleitete. Mit der Wende haben sich die Bedingungen für friedenspolitische Arbeit „von unten“ verändert. Eine zentrale bundesweite Steuerung ist nicht mehr angemessen. Die sehr viel weniger verbliebenen Gruppen und Organisationen engagieren sich in vielen Projekten und Themen. Zum Beispiel aktuell im Rahmen der Kampagne „Stopp Ramstein! Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen“ Oder „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“