VeRa 028 Wasser

Sendungsnotizen zum Nachlesen:

00:31:30 Wem gehört das Meer?

Jahrtausendelang war das Meer fast ausschließlich Nahrungsquelle der Menschen. Aber seit ein paar Jahrhunderten haben viele Staaten unterschiedlichste Interessen, die vom Nordpol bis zum Südpol und von der eigenen Küste bis zum tiefen Meeresboden weit weg von Küsten reichen.

Bis vor ca. 200 Jahren gab es gar kein internationales Recht auf dem Meer. Piraten und Freiräuber trieben ihr Unwesen, bis 1856 die Pariser Seerechtsdeklaration verabschiedet wurde und Kaperfahrten verboten wurden. Seitdem gelten 2 Gesetze. Zum einen „die Fahne entscheidet“, was bedeutet, dass auf hoher See ein Schiff den Gesetzen des Landes unterliegt, in dem es registriert ist. Zweitens wurde festgelegt, dass die Macht von Behörden eines Landes nur bis zu einer unsichtbaren Linie vor der Küste reicht. Dahinter liegen internationale Gewässer. Viele machten sich das in der Vergangenheit zu Nutze. So retteten sich beispielsweise sog. Radiopiraten aus England in den 60ern aufs Meer. Es waren Jugendliche, die privates Radio auf Schiffen außerhalb der 3-Meilen-Zone als Alternative zu BBC machen wollten.

1982 schuf die Staatengemeinschaft dann mit dem Internationalen Seerechtsübereinkommen (SRÜ) eine umfassende rechtliche Grundlage, die alle Nutzungsarten der Meere regeln soll, das sog. Seevölkerrecht oder auch die „Verfassung der Meere“. Dieses Abkommen regelt, welchem Staat die Küstengewässer und der Meeresboden gehören und wo eine Nation fischen darf. Auf neue Herausforderungen bietet es nicht unbedingt Antworten, so zum Beispiel für den Abbau von Bodenschätzen am Grund der Ozeane oder den Klimawandel.

Das Seerechtsübereinkommen ist der umfangreichste völkerrechtliche Vertrag, der jemals in der Geschichte der Menschheit geschlossen wurde. Es ist die Rechtsgrundlage für den internationalen Seegerichtshof in Hamburg.

Das Ergebnis dieses Seevölkerrechts sind Ausschließliche Wirtschaftszonen. Damit können sich Länder größere Gebiete vor ihren Küsten sichern. Meist steht das Interesse an den Rohstoffen unter dem Meer dahinter. Diese Zone kann bis zu 200 Seemeilen vor der Küste reichen. Der Rest ist das „gemeinsames Erbe der Menschheit“. So nennt die UN den Meeresboden außerhalb von staatlichen Hoheitsgebieten im Meer. Rund 64 Prozent der Weltozeane liegen außerhalb dieser Hoheitsgebiete. Die verbleibende „Hohe See“ wird somit als ein Kollektivgut, eine Allmende, verstanden, dessen Nutzung allen Menschen offensteht.

In dieser Zone gibt es aber immer noch oder vermehrt Unklarheiten und Streit. So beschäftigen sich die Staaten zum Beispiel damit, gemeinsame Regeln für den Abbau von Rohstoffen zu finden. Dafür haben wir eine eigene Behörde, die internationale Meeresbodenbehörde in Kingston, Jamaika. Außerdem gibt es Streite über Hoheitsrechte auf dem Meer. Japan und Südkorea streiten sich um Inselgruppen, Großbritannien und Argentinien streiten sich wieder um die Falklandinseln und auch vor der Westküste Afrikas bilden sich deswegen neue Konfliktherde. Derzeit wird auch diskutiert, welchen Nationen die zahlreichen arktischen Bodenschätze zufallen, die aufgrund des schrumpfenden Meereises künftig leichter zugänglich sein werden.

Es bleibt also immer noch viel unklar. Das sog. „gemeinsame Erbe der Menschheit“ möchten manche gerne weiter aufteilen und sind sich nicht einig bei der Frage „Wem gehört das Meer“.